in Hamburg
Jetzt Ticket sichern Noch 139 Tage

In-housing von Dienstleistungen für Unternehmen – Die Frage nach dem „ob“ stellt sich nicht mehr! - Kolja Brosche, SkillProjects

Kolja Brosche, SkillProjects

Neueste Technologieentwicklungen nicht nur im Adtech- und Martech-Bereich beflügeln die Diskussion um das In-house Aufbauen von Dienstleistungen auf Unternehmensseite. Sollten Unternehmen mehr und mehr Dienstleistungen intern aufbauen oder weiterhin bei externen Dienstleistern auslagern? Beide Ansätze versprechen Vorteile aber wenn man das Thema objektiv betrachtet, stellt sich einem die Frage nicht mehr.

Durch die schnellen Entwicklungen von Softwarelösungen in den letzten Jahren lassen sich viele Planungs- und Umsetzungsprozesse vereinfachen, verknüpfen und automatisieren. Das Handling ist anwenderfreundlicher, die Performance schneller und dank Cloudanbindung nahezu überall verfügbar geworden.

Unternehmen haben dadurch heute deutlich mehr Möglichkeiten, Aufgaben die früher an externe Dienstleister abgegeben wurden, In-house mit eigenen Mitarbeitern zu erledigen. Die dafür benötigten Ressourcen sind zudem deutlich gesunken. Dies bringt viele Vorteile mit sich, beinhaltet dafür aber auch im ersten Schritt ein höheres Investment, da viele Unternehmen weder personell noch strukturell aufgrund ihrer technischen Infrastruktur und der bestehenden Prozesse darauf vorbereitet sind.

Wenn man allerdings weiss worauf es beim In-housing zu achten gilt, birgt es enormes Potential für Wachstum und Innovation und spart viel Zeit und Geld.

Allein auf die Frage zu fokussieren, ob man Dienstleistungen zukünftig In-house aufbauen möchte oder ob man weiterhin extern mit dritten zusammenarbeitet ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht und trifft nur ansatzweise die Herausforderungen der aktuellen Zeit. Die Thematik ist wesentlich komplexer und die Entscheidungen weitreichender. Die Überlegungen sollten deshalb weit über die Entscheidung hinausgehen, ob ich Dienstleistungen In-house aufbaue oder nicht.

Dank der bereits genannten technischen Entwicklungen müssen sich Unternehmen heute wesentlich strategischere Fragen stellen, die Ihre zukünftige unternehmerische Ausrichtung betreffen.

Unternehmen werden sich heute und in Zukunft verstärkt die Fragen stellen müssen, wie sich ihre Produkte in Zukunft vertreiben lassen und welche Erwartungshaltung ihre Käufer an sie als Unternehmen und ihre Produkte haben werden. Ist mein Unternehmen darauf vorbereitet?

Welche Technologien benötige ich zur Umsetzung dieser (teils neuen) Use-cases und kann ich allein beurteilen welches der oder die richtigen Anbieter sind?

Welche bestehenden Softwarelösungen können extern bezogen werden und was muss eigens entwickelt werden, um die Kontrolle über das Handeln, die Prozesse und nicht zuletzt die Hoheit über die eigenen Daten nicht zu verlieren.

Welche Dienstleistungen sollten im eigenen Unternehmen aufgebaut werden und welche sollten extern vergeben werden? Sind die eingesetzten Dienstleister überhaupt in der Lage die benötigten Technologien zu bedienen?

Vieles spricht für den Aufbau von In-house Dienstleistungen:

  • Einer der größten Vorteile liegt darin Know-how im eigenen Unternehmen aufzubauen, um es im Unternehmen zu halten und zwischen unterschiedlichen Abteilungen zu teilen
  • Ein weiterer Vorteil liegt darin die Kontrolle über Dienstleistungen, benötigten Ressourcen und Prozesse zu behalten
  • Know-how Aufbau über eingesetzte Technologien und vor allem die Hoheit über die unternehmenseigenen Daten zählt ebenfalls mit zu den wichtigsten Fürsprechern
  • Werden Dienstleistungen, die heute extern bezogen werden, zukünftig intern aufgebaut, kann dies mehr Flexibilität und weniger Abhängigkeit bedeuten

Doch ganz so einfach wie es sich anhört ist das leider nicht.

Zu empfehlen ist als erster Schritt eine Überprüfung dessen, was genau In-house aufgebaut werden soll und welchem Zweck dies dienen soll. Weiterer Output dieser Evaluierung ist eine Potentialanalyse darüber, welche tatsächlichen Möglichkeiten das Unternehmen, mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Daten, Technologie, Investment, etc. realisieren kann. Ein umfangreiches Marktverständnis, sowie ein sehr gutes technisches Verständnis sind hier unabdingbar. Danach erst kann und sollte ein Unternehmen beurteilen, ob die notwendigen Dienstleistungen In-house aufgebaut werden sollen und ob das Unternehmen dazu in der Lage ist.

Die Herausforderungen beim In-housing:

Mit den beschriebenen Vorteilen gehen oft sehr hohe Aufwände und Verantwortlichkeiten einher, die nicht zu unterschätzen sind. Der Aufbau interner Ressourcen verlangt Know-how, Zeit und finanzielle Investitionen, wenn man das benötigte Know-how überhaupt in der erwarteten Qualität bekommt. Das bedeutet, dass im Markt nach wie vor ein Mangel an erforderlichen Fachkräften besteht.

Hat man nun diverse Dienstleistungen In-house aufgebaut, setzt das den Einsatz entsprechender Technologien und Tools zur Zusammenarbeit, Verwaltung und Distribution der relevanten Informationen voraus, damit alle Abteilungen auf dem gleichen Informationsstand kollaborativ miteinander zusammenarbeiten können.

Aber nicht nur der Einsatz von Technologien ist notwendig. Eine der größten Herausforderungen ist die Steuerung der Prozesse intern und die Koordination der Partner und Dienstleister extern, die nicht intern abgedeckt werden. Übergreifendes Projektmanagement und ein Gesamtverständnis für die Einzelprozesse und Aufgaben sind entscheidend über den Erfolg.

Mit dem Aufbau von Fachkräften in In-house Abteilungen entfernt sich ein Unternehmen von im Markt existierenden Qualitäten und Talenten die es nur bei externen Dienstleistern wie zum Beispiel bei Agenturen, Technologiefirmen und weiteren Dienstleistern gibt.

Somit wären wir bei den Vorteilen in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern.

Was spricht dafür mit externen Dienstleistern zu arbeiten:

  • Einer der wichtigsten und mächtigsten Vorteile in der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern ist die Diversität und Qualität die ein Unternehmen erhält, wenn es mit Spezialisten in einem bestimmten Bereich zusammenarbeitet. Wer mit den besten Anbietern im jeweiligen Markt zusammenarbeitet, profitiert entsprechend davon, da diese Dienstleister einen Erfahrungs- und Informationsvorsprung besitzen, weil sie durch einen permanenten Austausch untereinander und mit entsprechenden Zulieferern in der Regel näher an den Marktentwicklungen sind.
  • Durch die Spezialisierung der Dienstleister, oftmals auf Branchenebene, profitiert man als Unternehmen von Erfahrungen aus vergleichbaren, bereits realisierten Projekten.
  • Sofern ein Unternehmen seine Prozesse und Strukturen dafür angepasst und unter Kontrolle hat, kann es durch den Einsatz unterschiedlicher Techniken vom Know-how Transfer in das Unternehmen stark profitieren.

Aus den oben genannten Gründen stellt sich die Frage ob Dienstleistungen In-house aufgebaut werden nicht mehr. Die richtige Frage müsste lauten, welche Dienstleistungen sollten intern aufgebaut werden, welche nach extern gegeben werden und wie orchestriert man das richtig?

Um hier richtige Antworten zu finden sollte sich ein Unternehmen unter vielen anderen vor allem die folgenden Fragen stellen:

  • Welche Informationen / Daten muss ein Unternehmen im eigenen Haus zur Bearbeitung vorhalten und welche können von externen Dienstleistern bearbeitet werden?
  • Welche Dienstleistungen kann ein Unternehmen entsprechend nach extern verlagern und was sollte intern behalten werden, um Informationsverlust zu vermeiden und Know-how Aufbau im eigenen Unternehmen nachhaltig sicherzustellen?
  • Welche Unterstützung benötigt ein Unternehmen, um in der Lage zu sein diese Entscheidungen zu treffen und die benötigten Veränderungen durchzuführen?
  • Was sind unternehmenskritische Daten / Informationen, die ich als Unternehmen nicht an Dritte zur Bearbeitung weitergeben sollte?

Mit der Beantwortung dieser und weiterer Fragen erhält man einen besseren Überblick über eine mögliche Vorgehensweise. Für jedes Unternehmen sieht die Lösung anders aus, aber in den allermeisten Fällen ergibt sich ein Mix aus In-house aufgebauten Abteilungen und ausgelagerten Dienstleistern.

Was aber immer hinzu kommt ist der Aufbau neuer, zusätzlicher Technologien, die sich mit der bestehenden technologischen Infrastruktur verbindet oder ältere ablösen. Auch hier ist es häufig empfehlenswert bestehende Softwarelösungen die als Lizenzmodell bezogen werden können mit dem Aufbau eigener, In-house entwickelter Lösungen zu kombinieren, um unternehmenskritische Bereiche zu schützen. Das ermöglicht es Unternehmen eine flexible technische Infrastruktur zu betreiben, die die bestmöglichen Softwarelösungen nutzt, trotzdem aber einzelne Elemente modular austauschen kann ohne Datenverlust zu riskieren. Unternehmenswichtige Daten sind somit nicht an externe Dienstleister oder Softwarelösungen gebunden.

Die Frage ob man Dienstleistungen nun In-house aufbauen soll oder nicht stellt sich jetzt eigentlich nicht mehr. Vielmehr geht es darum herauszufinden wie ein Unternehmen für den Weg der Anpassung an Marktveränderungen durch die Digitalisierung bestmöglich aufgestellt ist und das so zukunftssicher und flexibel wie möglich.

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass Unternehmen die keine Leistungen nach intern verlagern, zukünftig massiv Nachteile haben werden, die zu Lasten von Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft, Umsatzwachstum und Zukunftssicherheit gehen werden.

Kolja Brosche, SkillProjects

Kolja Brosche
SkillProjects